Das Akkordeon gab es schon in der Zeit, in der Edvard Hagerup Grieg lebte, doch Originalkompositionen ließen noch auf sich warten. Die „Lyrischen Stücke“ sind natürlich für Klavier, das „romantischste“ Instrument der Zeit, komponiert. Mit dem Wunsch der Interpreten, auf dem Akkordeon auch klassische Werke spielen zu können und der technischen Entwicklung von Konzertinstrumenten mit Melodiebassmanual ist es heute möglich, Kompositionen für Klavier oder Cembalo nun auch auf dem Akkordeon spielen zu können. Mie Miki hat dies schon eindrucksvoll bei der Einspielung von Werken aus der Zeit des Barock bewiesen, z. B. von Jean-Philippe Rameau oder François Couperin. Die Lyrischen Stücke „Butterfly“ op. 43 Nr. 1 und „Illusion“ op. 57 Nr. 3 sind die Titelgeber für das Album. Die unterschiedlichen Ausdrucksweisen der Charakterstücke zeigen die Bandbreite der Sammlung auf: Der „Schmetterling“ erscheint mit flüchtigen unsteten Bewegungen und schnellen Läufen als Naturbild; „Illusion“ besitzt hingegen eine volkstümliche melodische Einfachheit und strahlt beschauliche Ruhe aus. Die Werke Griegs bekommen, auf dem Akkordeon gespielt, eine etwas weichere und fließendere Tongebung, zugleich sind die Finger frei für Passagen und Läufe, da die Dynamik vom Balg gesteuert wird. Etwas ungewohnt erscheint zunächst der Klang der CD, der ein wenig Hall besitzt. Dies erklärt aber der Text im Booklet, da alle Aufnahmen in einer kleinen Kirche in Schweden entstanden. „Die Stimmung und Atmosphäre waren wunderbar, ich hätte mir für diese Grieg-Aufnahme keinen passenderen Ort vorstellen können“, so Mie Miki. Sicher trug die Kulisse zur einfühlsamen Interpretation der lyrisch-virtuosen Werke bei, die den Hörer in märchenhafte Kulissen und nordische Landschaften führt.
(Kristin Bergmann)
|